Die Deutsch-Tschechische Jugendbegegnung 18. – 23.06.

Die Deutsch-Tschechische Jugendbegegnung 18. – 23.06.

Ein Bericht der FSJlerinnen

Im Mai hatte unsere Kollegin Magdalena, deren Aufgabenbereich es u.a. ist, internationale
Studienprogramme und Jugendbegegnungen zu organisieren, eine aufregende Nachricht für uns:

Mitte Juni würde ein neues Projekt stattfinden, die deutsch-tschechische Jugendbegegnung mit
jungen Menschen im Alter von 15-19 Jahren. Ein 6-tägiges Programm, welches  jeweils zur Hälfte in
Dachau und in Theresienstadt stattfinden sollte. Insgesamt sollte die Gruppe von Dienstagabend bis
Freitagfrüh für ein Programm im Max Mannheimer Haus sein und in dieser Zeit waren wir beide als
Teil des Programms vorgesehen. Dieses Angebot schlugen wir natürlich nicht aus!

Nach dem Zeitzeugengespräch mit Herrn Feierabend und Herrn Kubík

 

Um sich das ein bisschen genauer vorstellen zu können muss man verstehen, wie alles dann in der
Praxis verlief. Unsere Aufgaben war zunächst die Vorbereitung und später die Durchführung des
Programms als verantwortliche Teamerinnen im Seminarraum und an den Gedenkorten auf Deutsch.
Beide hatten wir jeweils eine Gruppe von ca. 20 Teilnehmer*innen, die zu 50-50 aus deutschen und
tschechischen Jugendliche bestand. Unterstützung bekamen wir dabei von zwei erfahrenen
freien Mitarbeiterinnen, die beide fließend Tschechisch sprechen, und uns im Seminarraum
konsekutiv dolmetschten.
Hui, da kann es einem schon ein bisschen schwindlig werden.

Ein Highlight war für uns dann natürlich zu sehen, wie die Jugendlichen aufeinander zugingen und
auch zwischen den Nationalitäten, nicht nur innerhalb der Gruppen, Kontakt entstand. Besonders
gute Rückmeldungen gab es im Nachhinein für den Besuch des Gedenkorts Hebertshausen. Zu
diesem Zeitpunkt waren wir schon in der KZ-Gedenkstätte gewesen und es war für viele
Teilnehmer*innen interessant, die Gestaltungen und Formen der Erinnerung zu vergleichen.
Nach dem der Dachauer Programmteil für uns am Donnerstag zu Ende ging, besuchte die Gruppe am
Freitag noch das NS-Dokumentationszentrum in München und fuhr dann los Richtung der Gedenkstätte
Theresienstadt. Inhaltlich schloss sich dann dort noch der Kreis, denn wir arbeiteten in Dachau mit
Quellen zu Miroslav Kubik sowie Vladimir Feierabend, zwei tschechischen Zeitzeugen, die die
Teilnehmenden am Sonntag kennenlernen durften.

Gruppenarbeit in Terezín

 

Wir bedanken uns für diese tolle Chance, mit einer bi-nationalen Gruppe arbeiten zu dürfen und die
bereichernde Möglichkeit, neue Blickwinkel auf die gemeinsame Geschichte zu entdecken. Diese
Erfahrungen werden uns bei der diesjährigen Internationalen Jugendbegegnung Dachau bestimmt
gut zu Nutze kommen.

 

Gefördert wurde die Jugendbegegnung vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und TANDEM

So war… Der Workshop „Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“

So war… Der Workshop „Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“

Am 29. Juni 2019 fand unser zuvor bereits angekündigter offener Workshop zum Thema „Schwarze Menschen im Nationalsozialismus: Verstrickungen von Kolonialismus und Nationalsozialismus“ im Max Mannheimer Haus statt.
In einer schön überschaubaren, motivierten Runde starteten wir schon morgens um halb 10 (an einem Samstag!) in den Seminartag. Zunächst einmal ging es los mit einer interaktiven 4-Stationen Einführung zum Thema Kolonialismus. Bei der Nachbereitung konnten einige Themen angesprochen werden, die im Laufe des Tages noch intensiver erforscht werden sollten.

                                                                                                        

Weiter ging es mit einer Bilderübung zu den verschiedenen Facetten Schwarzen Lebens in Deutschland vor und nach 45.

Nach der Mittagspause konnten sich die Teilnehmenden in Gruppenarbeiten näher mit Biographien und Handlungsspielräumen Schwarzer Menschen in verschiedenen Lebenssituationen beschäftigen. Als weitere Informationsquelle diente die Pop-Up Ausstellung “ Verflechtungen. Koloniales und rassistisches Denken und Handeln im Nationalsozialismus“ der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, welche wir für den Workshop ausleihen durften und die bis zum 19. August 2019 noch im Foyer des Max-Mannheimer Hauses zu sehen ist.

Im Anschluss hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit sich ihr neu gewonnenes Wissen gegenseitig in Form eines Gallerieganges vorzustellen, sodass jede*r insgesamt 6 Biografien kennenlernen konnte. Abschluss des Seminartags bildeten Postkartengespräche zu kolonialer Stadtgeschichte in München und kolonialen Kontinuitäten mit den hervorragenden Postkarten von muc.postkolonial (http://muc.postkolonial.net/)

Vielen Dank nochmal allen Teilnehmenden!

Die AG befindet sich im Moment noch in einer Testphase und soll dann aber auch bald als reguläres AG – Programm für Studientage wählbar sein!
Interesse geweckt? Interessante Publikationen, Artikel und empfehlenswerte pädagogische Materialien zu dem Thema sind zum Beispiel:

  • Bildungsmaterialien der KZ-Gedenkstätte Neuengamme: ZU VERFLECHTUNGEN ZWISCHEN KOLONIALEM UND RASSISTISCHEM DENKEN UND HANDELN IM NATIONALSOZIALISMUS
  • GeschichteN teilen: Dokumentenkoffer für eine interkulturelle Pädagogik zum Nationalsozialismus (Hrsg. Miphgasch/Begegnung e.V. und der Gedenk- und
    Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz )
  • Peter Martin, Christine Alonzo (Hg.): Zwischen Charleston und Stechschritt. Schwarze im Nationalsozialismus. (2004) Dölling und Galitz Verlag München 2004, 790 S.
  • https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/afrikanische-diaspora/59423/nationalsozialismus?p=all

                            

Workshop zum Thema: „Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“

Workshop zum Thema: „Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“

für Jugendliche, Junge Erwachsene und alle Interessierten

Termin: 29. Juni 2019, 9:30-17:00 Uhr

Seminarort: Max Mannheimer Studienzentrum, Rosswachstr. 15, 85221 Dachau

Workshopbeschreibung:

Thema dieses ein-tägigen Workshops ist ein oft vernachlässigter Themenkomplex der politischen Bildung im Bereich des Nationalsozialismus: Verflechtungen von Kolonialismus und Nationalsozialismus, den wir im Laufe des Tages aus verschiedenen Perspektiven beleuchten werden.

Anhand von ausgewählten Themen und Lebensgeschichten werden wir uns interaktiv mit den Lebensrealitäten und Handlungsspielräumen von Afrikaner*innen und Afro-Deutschen in der deutschen Geschichte beschäftigen. Beginnend mit der deutschen Kolonialgeschichte, über die Weimarer Republik bis hin zu der schrittweisen Verfolgung von Schwarzen Menschen und People of Color im Nationalsozialismus.

Zur Teilnahme:

Die Teilnahme an dem Workshop ist kostenlos und richtet sich an interessierte Menschen ab 15 Jahren. Der Workshop eignet sich vor allem als Einstieg und erster Kontakt mit der Thematik. Das Seminarhaus ist barrierefrei zugänglich.

Bei Fragen zu deiner Teilnahme schreib uns gerne eine E-Mail unter: fsjk_2(ät)mmsz-dachau.de

Anmeldung:

Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung (mit Vor – und Nachnamen sowie ggf. Ernährungseinschränkungen) per E-Mail an: fsjk_2(ät)mmsz-dachau.de bis zum 17. Juni 2019.

Einlassvorbehalt:

Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Veranstalterin: Max Mannheimer Studienzentrum Dachau

Ansprechperson: Fennet Habte

Jugendbegegnung des deutschen Bundestags 2019

Jugendbegegnung des deutschen Bundestags 2019

Auch in diesem Jahr durften wir, die Freiwilligen des MMSZ, an der Jugendbegegnung des deutschen Bundestags anlässlich der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus, teilnehmen. Vom 28.-31. Januar verbrachten wir ein paar interessante, bereichernde und beeindruckende Tage mit jungen Menschen aus den verschiedensten Ländern Europas, im kalten Berlin.

Stadtrundgang zu Orten an denen jüdische Kinder versteckt worden sind

Das straffe Programm der Jugendbegegnung ermöglichte uns das diesjährige Thema der Jugendbegegnung „Versteckte Kinder“ von vielen Blickwinkeln zu kennenzulernen. Programmpunkte waren unter anderem ein Stadtrundgang zu Orten, an denen Kinder versteckt wurden, Führungen im Anne-Frank-Zentrum Berlin und dem Museum Blindenwerkstatt – Otto Weidt, sowie Zeit- und Zweitzeugengespräche mit Hélène Waysbord und den Kindern von Hans Rosenthal, beides im Nationalsozialismus versteckte Kinder.

Ausstellung des United States Holocaust Museum im Paul-Löbe-Haus

Zeitzeugengespräch mit Hélène Waysbord

 

 

Den Höhepunkt der Jugendbegegnung bildete für uns die Teilnahme an der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus mit dem Historiker und Überlebenden Saul Friedländer als Hauptredner und die im Anschluss stattfindende Podiumsdiskussion mit Herrn Friedländer und dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble.

Von den paar Tagen Berliner Politikluft, die wir schnuppern durften und dem vollen Programm der Jugendbegegnung nehmen wir auf jeden Fall viele schöne und aufregende Erinnerungen, interessante Gespräche und vor allem viel neues Wissen mit!

Fotos: Deutscher Bundestag/ Stella von Saldern

„Allein gegen Hitler“ – Szenische Lesung zum 74. Todestag von Georg Elser

„Allein gegen Hitler“ –Szenische Lesung zum 74. Todestag von Georg Elser

Dienstag, 9. April 2019, 19 Uhr, im Kinosaal der KZ-Gedenkstätte Dachau, Alte Römerstraße 75, 85221 Dachau

Am 8. November 1939 verübt Georg Elser im Bürgerbräukeller in München ein Attentat auf Adolf Hitler. Nach seiner Verhaftung gesteht er gegenüber der Gestapo die alleinige Durchführung des Anschlags. Seit Anfang 1945 ist Elser im KZ Dachau inhaftiert und wird am 9. April 1945 von der SS ermordet. Die wichtigste Quelle zu Georg Elser ist das Gestapo-Verhörprotokoll, obwohl es sich dabei nicht um eine exakte wörtliche Aufzeichnung seiner Aussagen handelt. In der szenischen Lesung wird entlang dieses Protokolls der Werdegang Georg Elsers bis hin zur Vorbereitung und Durchführung des Attentats sichtbar.

Die szenische Lesung, konzipiert von der Georg-Elser-Gedenkstätte Königsbronn, wird mit Liedern aus dem Widerstand und Eigenkompositionen des Ensembles „freywolf“ musikalisch gestaltet. Anlässlich des 80. Jahrestages des Attentats findet die szenische Lesung im Laufe des Jahres an weiteren für Georg Elsers Leben bedeutsamen Orten statt.

Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig. An diesem Abend steht der Personalparkplatz an der Verwaltung der Gedenkstätte zur Verfügung (Alte Römerstraße 75, vor dem zweiten ehemaligen Wachturm links).

Die szenische Lesung ist eine gemeinsame Veranstaltung von Comité International de Dachau, Dachauer Forum e. V., Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e. V., Lagergemeinschaft Dachau, Kath. Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau, KZ-Gedenkstätte Dachau, Max Mannheimer Haus – Studienzentrum und Internationales Jugendgästehaus und Stadt Dachau.

NS-Gedenkstätten in Deutschland rufen auf zur Verteidigung der Demokratie

Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt nehmen als Orte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit einer verbrecherischen Vergangenheit eine wichtige Bildungsaufgabe für die Gegenwart wahr. Ihre Arbeit folgt der aus den Erfahrungen des Nationalsozialismus gewonnenen Verpflichtung unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (Art.1 GG).

Lernen aus der Geschichte der NS-Verbrechen heißt auch Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen, wenn eine nachhaltige Schwächung unserer offenen Gesellschaft droht. Wir wissen aus der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, dass Demokratien mit Standards wie dem Grundgesetz, den europäisch und international verankerten Menschenrechten, Minderheitenschutz, Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung mühsam erkämpft wurden und fortdauernd geschützt und ausgestaltet werden müssen.

Immer offener etablieren sich in der Gesellschaft Haltungen, Meinungen und Sprechgewohnheiten, die eine Abkehr von den grundlegenden Lehren aus der NS-Vergangenheit befürchten lassen. Wir stellen mit Sorge fest:

  • ein Erstarken rechtspopulistischer und autoritär-nationalistischer Bewegungen und Parteien
  • eine verbreitete Abwehr gegenüber Menschen in Not sowie die Infragestellung und Aufweichung des Rechts auf Asyl
  • Angriffe auf Grund- und Menschenrechte
  • die Zunahme von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
  • eine damit einhergehende Abwertung von Demokratie und Vielfalt

Hinzu kommt ein öffentlich artikulierter Geschichtsrevisionismus, der die Bedeutung des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus als grundlegende Orientierung der deutschen Gesellschaft in der Gegenwart angreift und durch ein nationalistisches Selbstbild ersetzen möchte.

Diesen aktuellen Entwicklungen treten wir mit unserer täglichen Arbeit in der historisch-politischen Bildung entgegen. Aber sie erfordern darüber hinaus politisches und bürgerschaftliches Handeln. Wir appellieren daher an die Akteure in Politik und Gesellschaft, das Wissen um die historischen Erfahrungen mit ausgrenzenden Gesellschaften wie dem Nationalsozialismus für die Gegenwart zu bewahren und sich für die Verteidigung der universellen Grund- und Menschenrechte einzusetzen.

Verabschiedet von der 7. Bundesweiten Gedenkstättenkonferenz am 13.12.2018