80 Jahre nach der Shoah steigen die gemeldeten Fälle von Antisemitismus seit dem 07. Oktober 2023 massiv an. Eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Antisemitismus ist damit neben der historischen Verantwortung notwendiger denn je. Auch die Nachfrage von Schulen nach Bildungsangeboten und -materialien zu diesem Thema steigt. Zukünftig wird das MMSZ diese Nachfrage auch durch ein digitales Bildungsformat bedienen können:
Mit dem 26. März 2026, geht unsere neue digitale Lernplattform „Memory Momentum“ online. Sie schlägt die Brücke zwischen historischem Gedenken und der Analyse aktueller antisemitischer Kontinuitäten.
Warum „Memory Momentum“? Die Herausforderung heute
Trotz eines grundsätzlichen Interesses junger Menschen an der NS-Geschichte – wie auch die Memo Jugendstudie 2023 bestätigt – beobachten wir eine besorgniserregende Entwicklung: Forderungen nach einem „Schlussstrich“ nehmen zu, das Bewusstsein für die Relevanz der Erinnerungskultur schwindet. Oft fehlt der Konnex zwischen der historischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dem Erleben von aktuellem Antisemitismus im Alltag oder im digitalen Raum.
Genau hier setzt Memory Momentum an. Wir wollen junge Menschen dort abholen, wo sie sich informieren: im Internet. Unser Ziel ist es, Wissen nicht nur rein kognitiv zu vermitteln, sondern durch empathische Zugänge und die Reflexion eigener Vorurteile eine echte Sensibilisierung zu erreichen.
Ein modularer Ansatz für die Bildungsarbeit
Die Plattform ist als virtueller, multimodularer Lernort konzipiert, der flexibel in die schulische und außerschulische Bildungsarbeit integriert werden kann.
- Hybrid & Flexibel: „Memory Momentum“ kann modular im schulischen Unterricht eingesetzt werden oder als Teil von hybriden Workshops bei uns im Haus gebucht werden.
- Methodenvielfalt: Wir setzen auf einen Mix aus Quellenarbeit, der Analyse versteckter Codes und dem Sichtbarmachen von Stimmen Betroffener und Allys.
- Stärkung der Handlungskompetenz: Jugendliche und Multiplikator:innen werden befähigt, Antisemitismus – insbesondere in codierter Form – zu erkennen und ihm aktiv entgegenzutreten.
Das erste Modul: „Q&A – Quellen und Archiv“
Das erste Projektjahr stand ganz im Zeichen der Quellenarbeit zu historischen und aktuellen Fällen von Antisemitismus. Im nun veröffentlichten Modul haben wir diverse Fallbeispiele herausgearbeitet, anhand derer (Alltags-)Antisemitismus in Deutschland analysiert und eingeordnet werden kann. Teilnehmende lernen, wie sich antisemitische Narrative über Jahrzehnte hinweg gehalten und in Teilen transformiert haben und wo sie heute – oft versteckt – wieder auftauchen. Die Plattform wächst stetig weiter. Das Modul Q&A wird nach dem Launch laufend mit weiteren Materialien, die zukünftig auch interaktiv bearbeitbar sein werden, gefüllt.
Ausblick: Jüdische Stimmen zu Geschichte und Gegenwart
Parallel dazu starten wir mit der Arbeit am zweiten Modul: Interviews mit Mitgliedern jüdischer Gemeinden in Deutschland. Hierbei steht die Vielfalt jüdischen Lebens in der Gegenwart im Fokus, um Berührungsängste abzubauen und Antisemitismus nicht nur als abstraktes Konstrukt, sondern in seinen realen Auswirkungen auf Menschen begreifbar zu machen.
Dank an unsere Partner:innen
Ein solches Projekt ist eine Gemeinschaftsleistung. Unser Dank gilt dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ für die Förderung. Ebenso danken wir den Kolleginnen am MMSZ für ihre fachliche Begleitung, Susanne Asenkerschbaumer für das Design der Homepage, den Teamer:innen für die Testungen der Materialien sowie mediale pfade für die digitale Umsetzung.
